thomas bernhard über das fotografieren

von 重子 夏希 15. Sep 2005 19:11 ~ 0 x senf dazu ~ edit

das fotografieren ist eine gemeine sucht, von welcher nach und nach die ganze menschheit erfaßt ist, weil sie in die verzerrung und die perversität nicht nur verliebt, sondern vernarrt ist und tatsächlich vor lauter fotografieren mit der zeit die verzerrte und die perverse welt für die einzig wahre nimmt. die fotografieren begehen eines der gemeinsten verbrechen, die begangen werden können, indem sie die natur auf ihren fotografien zu einer perversen groteske machen. die menschen sind auf ihren fotografien lächerliche, bis zur unkenntlichkeit verschobene, ja verstümmelte puppen, die erschrocken in ihre gemeine linse starren, stumpfsinnig, widerwärtig. das fotografieren ist eine niederträchtige leidenschaft, von welcher alle erdteile und alle bevölkerungsschichten erfaßt sind, eine krankheit, von welcher die ganze menschheit befallen ist und von welcher sie nie mehr geheilt werden kann. der erfinder der fotografischen kunst ist der erfinder der menschenfeindlichsten aller künste. ihm verdanken wir die endgültige verzerrung der natur und des in ihr existierenden menschen zu ihrer und seiner perversen fratze.ich habe noch auf keiner fotografie einen natürlichen und das heißt, einen wahren und wirklichen menschen gesehen, wie ich noch auf keiner fotografie eine wahre und wirkliche natur gesehen habe. die fotografie ist das größte unglück des zwanzigsten jahrhunderts.

auslöschung, s.29f

mit der erfindung der fotografie, also mit dem einsetzen dieses verdummungsprozesses vor weit über hundert jahren, geht es mit dem geisteszustand der weltbevölkerung fortwährend bergab. die fotografischen bilder, habe ich zu gambetti gesagt, haben diesen weltweiten verdummungsprozeß in gang gebracht und er hat diese tatsächlich für die menschheit tödliche geschwindigkeit in dem augenblick erreicht, in welchem diese fotografischen bilder beweglich geworden sind. stumpfsinnig betrachtet die menschheit heute und seit jahrzehnten nichts anderes mehr, als diese tödlichen fotografischen bilder und ist wie gelähmt davon. an der jahrtausendwende wird dieser menschheit denken gar nicht mehr möglich sein, gambetti und der verdummungsprozeß, der durch die fotografie in gang gebracht und durch die beweglichen bilder zu weltweiter gewohnheit geworden ist, auf dem höhepunkt sein.

auslöschung, s.645f


comics muß ich zeichen - 3 gute gründe

von 重子 夏希 24. Aug 2005 22:06 ~ 0 x senf dazu ~ edit

warum sollte comics zu zeichnen gut für mich sein: was ich mir dazu gedacht habe - damit ich es nicht gleich wieder vergesse.

erstens: wenn ich zeichne, mache ich etwas echtes, ich meine etwas reales. etwas, das nicht nur aus ein paar lichtpünktchen besteht. etwas, das nicht einfach verlustfrei beliebig oft vervielfältigt werden kann. etwas, das man anfassen, woran man sich sogar schmutzig machen kann. etwas, das man nicht nur mit brennenden augen vor einem flimmerkasten, sondern überall, auf dem klo, im bett, auf der wiese usw. anschauen kann.

zweitens: nachdem ich in letzter zeit wieder etwas zeichne, merke ich, daß ich mir die menschen, denen ich begegne, anders anschaue. ich schaue sie unbefangener an, weil ich ein wirkliches interesse daran habe, wie sie so aussehen. wie ihre klamotten aussehen, wie die bewegungen aussehen, die sie machen usw. und das trifft nicht nur auf menschen, sondern auf die ganze welt zu! „anders schauen“ ist super.

drittens: Scott McCloud hat geschrieben, daß comiczeichnen eine der letzten tätigkeiten ist, die ein einzelner mensch alleine bewältigen kann. ich verstehe das so: einen film kann man nicht alleine machen, ein computergame nicht alleine entwickeln (jedenfalls nicht so eins, mit dem man auch geld verdienen könnte). überall gibt es „teams“ und „spezialisierung“ und „profis“ und „experten“, die jede arbeit in kleinste teile atomisieren, damit nur ja jeder pups so effizient wie möglich erledigt werden kann. und darüber wachen dann die, die am wenigsten können, nämlich die „organisatoren“ oder wahlweise auch „manager“ (diese nagetiere). und die dürfen sich dann auch mächtig aufspielen, denn ohne sie läuft ja nichts! ich habe mittlerweile festgestellt, daß diese struktur von arbeit mir zutiefst zuwider ist. deshalb ist es gut, etwas zu machen, das man zur not auch ganz alleine (oder zu zweit) schaffen kann.


blitze

von 重子 夏希 21. Jun 2005 22:23 ~ 0 x senf dazu ~ edit

ganz schön schwer, so einen blitz zu fangen.
mußte ganz viele bilder ins leere hinein machen, bevor ich einen erwischt habe.
neben der schönen elektrischen entladung beachte man auch das herrrrliche panorama über berlin, das sich dem befugten von unserem balkon aus bietet.


surfgame

von 重子 夏希 12. Mai 2002 00:00 ~ 0 x senf dazu ~ edit

microgame (nur ca.30kb)
2.preis beim bpexpress-flash-wettbewerb 2002


impressum

von 重子 夏希 30. Jun 1972 01:30 ~ 0 x senf dazu ~ edit

verantw. i.s.v.w.a.i.

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