Fußball (nebst Abart und Ausartung)

von 重子 夏希 23. Jun 2006 01:35 ~ 0 x senf dazu ~ edit

Der Fußballwahn ist eine Krank-
heit, aber selten, Gott sei Dank!
Ich kenne wen, der litt akut
an Fußballwahn und Fußballwut.
Sowie er einen Gegenstand
in Kugelform und ähnlich fand,
so trat er zu und stieß mit Kraft
ihn in die bunte Nachbarschaft.
Ob es ein Schwalbennest, ein Tiegel,
ein Käse, Globus oder Igel,
ein Krug, ein Schmuckwerk am Altar,
ein Kegelball, ein Kissen war,
und wem der Gegenstand gehörte,
das war etwas, was ihn nicht störte.
Bald trieb er eine Schweineblase,
bald steife Hüte durch die Straße.
Dann wieder mit geübtem Schwung
stieß er den Fuß in Pferdedung.
Mit Schwamm und Seife trieb er Sport.
Die Lampenkuppel brach sofort.
Das Nachtgeschirr flog zielbewußt
der Tante Berta an die Brust.
Kein Abwehrmittel wollte nützen,
nicht Stacheldraht in Stiefelspitzen,
noch Puffer, außen angebracht.
Er siegte immer, 0 zu 8,
und übte weiter frisch, fromm, frei
mit Totenkopf und Straußenei.
Erschreckt durch seine wilden Stöße,
gab man ihm nie Kartoffelklöße.
Selbst vor dem Podex und den Brüsten
der Frau ergriff ihn ein Gelüsten,
was er jedoch als Mann von Stand
aus Höflichkeit meist überwand.
Dagegen gab ein Schwartenmagen
dem Fleischer Anlaß zum Verklagen.
Was beim Gemüsemarkt geschah,
kommt einer Schlacht bei Leipzig nah.
Da schwirrten Äpfel, Apfelsinen
durch Publikum wie wilde Bienen.
Da sah man Blutorangen, Zwetschen
an blassen Wangen sich zerquetschen.
Das Eigelb überzog die Leiber,
ein Fischkorb platzte zwischen Weiber.
Kartoffeln spritzten und Zitronen.
Man duckte sich vor den Melonen.
Dem Krautkopf folgten Kürbisschüsse.
Dann donnerten die Kokosnüsse.
Genug! Als alles dies getan,
griff unser Held zum Größenwahn.
Schon schäkernd mit der U-Boots-Mine,
besann er sich auf die Lawine.
Doch als pompöser Fußballstößer
Fand er die Erde noch viel größer.
Er rang mit mancherlei Problemen.
Zunächst: Wie soll man Anlauf nehmen?
Dann schiffte er von dem Balkon
sich ein in einen Luftballon.
Und blieb von da an in der Luft,
verschollen. Hat sich selbst verpufft. -
Ich warne euch, ihr Brüder Jahns,
vor dem Gebrauch des Fußballwahns!

Joachim Ringelnatz


ist sie nicht süß?

von 重子 夏希 16. Jun 2006 15:25 ~ 3 x senf dazu ~ edit

der stift liegt übrigens nur da, um die seite fürs fotografieren zu beschweren.
aber das läßt platz für die phantasie …


stolz, ein hässlicher zu sein

von 重子 夏希 2. Jun 2006 10:16 ~ 3 x senf dazu ~ edit

ihr lieben stolzen häßlichen, indem ihr behauptet „ich bin häßlich“ erkennt ihr ja gerade das allgemeine schönheitsideal an, egal ob ihr dann „stolz darauf“ seid, oder nicht.

der einzige kluge satz im „manifest“, ist der letzte:
„Wir wissen: Niemand ist für jeden hässlich!“
aber der stammt ja (wahrscheinlich) von david hume (1757) und ist nicht auf euerm mist gewachsen:
Beauty is in the eye of the beholder.

wer gut aussieht,
ist besser als jemand,
der nich so gut aussieht,
der aber immernoch besser is,
als jemand, der überhaupt nich aussieht,
und eigentlich ja schon tot ist.
da kann man nichts machen.

peter licht, lieder vom ende des kapitalismus


bekloppt oder gerissen?

von 重子 夏希 2. Jun 2006 10:06 ~ 0 x senf dazu ~ edit

erst dachte ich, selten sowas bescheuertes gehört. dann dachte ich, naja die übliche promoscheiße: ich hab ein buch geschrieben, jetzt muß ich auffallen, damit es einer kauft.
würde mich nicht so aufregen, wenn die ganze sache mir nicht so widersinnig erscheinen würde.
ihr lieben stolzen häßlichen, indem ihr behauptet „ich bin häßlich“ erkennt ihr ja gerade das allgemeine schönheitsideal an, egal ob ihr dann „stolz darauf“ seid, oder nicht. ich finde, es ist der falsche weg, die verkaufszahlen des buches einmal ganz beiseite gelassen.
wenn ich, also ich hier, einen von euch schön fände, würde ich also nach eurer auffassung an geschmacksverirrung leiden? wenn ich die meisten „schönen“ menschen eher abstoßend finde, auch? man braucht sich ja nur einmal die großplakate in der stadt anzuschauen, das sollen ja in der regel nach auffassung der werber „schöne“ menschen sein, aber ich finde, mindestens die hälfte davon müßte eigentlich rezeptpflichtig sein, wie andere brechmittel auch.
ich verstehe euch aber so, daß ihr im grunde die klonmenschen tatsächlich schön findet, euch aber nicht, und darauf seid ihr auch noch stolz? ach nein, ihr seid nicht stolz auf eure auffassung von schönheit, sondern darauf selber nach dieser auffassung häßlich zu sein? und die menschen, die euch mögen, bezichtigt ihr damit unweigerlich, entweder einen abartigen geschmack zu haben, oder selber so häßlich zu sein, daß sie sowieso nichts „besseres“ abkriegen, oder ästhetisch anspruchslos zu sein, oder vielleicht sind sie ja blind, und es macht ihnen nichts aus?

wer gut aussieht, ist besser als jemand, der nich so gut aussieht, der aber immernoch besser is, als jemand, der überhaupt nich aussieht, und eigentlich ja schon tot ist. da kann man nichts machen.

peter licht, lieder vom ende des kapitalismus


spin dj is a god

von 重子 夏希 14. Mai 2006 21:57 ~ 3 x senf dazu ~ edit

gott hat‘s auch nicht immer leicht…
schau hier

 

 

 

 



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